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Qualitätssicherung von freien Bildungsmaterialien – erste Ergebnisse zum Thema

Dieser Beitrag ist der Auftakt zur Dokumentation unserer Projektergebnisse. Sie dürfen als Zwischenstand im Sinne eines offenen Dialogs verstanden werden. Alle Beiträge auf dieser Webseite können und sollen gern kommentiert werden. Ihre Ideen und Anregungen werden in das Projekts mit einfließen.

Seit Beginn der Dialogphase des Projekts Mapping OER widmen wir uns dem Themenschwerpunkt Qualitätssicherung. Die Ergebnisse dieser dialogischen Themenarbeit wollen wir hier in einem kurzen Überblick zusammenfassen. Eingeflossen ist hierin der aktuelle Stand aus der Ist-Analyse, die Ergebnisse aus dem Analyse-Workshop, die bisherigen Fachbeiträge zum Thema Qualitätssicherung, die auf unserer Projektwebseite veröffentlicht wurden, sowie ergänzende Publikationen zum Thema, wie sie z. B. im Rahmen der Whitepaper für Schule, Hochschule und Weiterbildung und des “Berichts der Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Länder und des Bundes zu Open Educational Resources (OER)” genannt werden.

Am 24. und 25. September 2015 fand nun der erste von vier Themenworkshops in Berlin statt. Die zweitägige Veranstaltung bildete den Abschluss des Schwerpunkts Qualitätssicherung im Projekt Mapping OER. Die Teilnehmenden setzten sich, entsprechend des “Multi-Stakeholder-Ansatzes” des Projekts, aus verschiedenen Anspruchsgruppen aus den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung zusammen. Eine heterogene Schnittmenge aller Involvierten – das heißt von der praktischen Erstellung und Nutzung von OER bis hin zur politischen Entscheidungsebene –  war uns dabei besonders wichtig, um unterschiedliche Sichtweisen zum Thema Qualitätssicherung in die Themenarbeit einzubinden.

Die Ergebnisse aus den Themenworkshops werden wir in zwei aufeinanderfolgenden Berichten zusammenfassen und präsentieren. Nach einer ersten Übersicht zum aktuellen Projektstand im Themenschwerpunkt, werden wir in unserem zweiten Beitrag vertiefend auf die zentralen Lösungsansätze eingehen, die während der Workshops von den Teilnehmenden erarbeitet wurden. Den Abschluss bildet ein Themenvideo, welches die Eindrücke und Ergebnisse aus dem Workshop zeigen wird.

Alle im Projekt gewonnenen Ergebnisse werden in einem “Praxisrahmen für OER in Deutschland” zusammengefasst und Ende Februar 2016 veröffentlicht.

Stakeholdermap Mapping OER

„In der digitalen Welt sind Kopien zwei Mausklicks entfernt.“1

Die gemeinsame Arbeit in der Gruppe erstreckte sich über zwei Tage. Dabei standen an Tag 1 das gemeinsame Sammeln und Filtern zentraler Aspekte von Qualitätssicherung bei OER im Vordergrund. Die Teilnehmenden arbeiteten vertieft zu insgesamt vier Unterthemen:

  1. Qualitätssicherungsmechanismen
  2. Qualitätskriterien
  3. Informations- und Medienkompetenz
  4. Motivation

Tag 2 bot Raum, konkrete Ideen für Qualitätssicherungsstrategien und -ansätze anhand der Bildungsbereiche zu generieren.

Mapping_OER_Workshop_Qualitätssicherung_2015

Spannend ist für das Thema Qualitätssicherung vor allem, dass OER sich derzeit vorrangig auf modulare Arbeitsmaterialien beziehen. Der Debatte um Schulbücher mangelt es zum einen an vergleichbaren OER-Vorbildern. Zum anderen wurde erneut auf die verschiedenen Elemente von Qualität von Bildungsmaterialien im Allgemeinen eingegangen, wie sie auch Richard Heinen und Klaus Dautel in ihren Fachbeiträgen deutlich machen:

“Wir müssen verschiedene Bereiche unterscheiden, in denen ein Material Qualität haben kann:

  1. Zunächst die Besonderheit für OER: Die korrekte Verwendung von Lizenzen. Die Offenheit der Formate.
  2. Die inhaltliche Korrektheit. Die fachliche Richtigkeit.
  3. Die Passung eines Materials zu den Lehr- und Bildungsplänen eines Bundeslandes. Die Zuordnung zu Schulformen und Jahrgangsstufen.
  4. Die Eignung für eine bestimmte Lerngruppe oder – in Zeiten der individuellen Förderung – für einzelne Lernende. Zunächst die Besonderheit für OER: Die korrekte Verwendung von Lizenzen. Die Offenheit der Formate.”2

“Nicht die inhaltliche Richtigkeit eines Endproduktes steht zur Debatte, sondern die Effizienz der stattfindenden oder ausgelösten Lernprozesse. Es kommt also darauf an, was die Lehrkraft daraus macht bzw. machen kann.”3

Davon ausgehend können drei zentrale Rahmenbedingungen formuliert werden, die bei der Qualitätssicherung von OER und entsprechenden Mechanismen zur Sicherung von Qualität beachtet werden müssen:

  1. Digitalisierung: OER sind in den meisten Fällen digital und folglich mit ihrer Prozesshaftigkeit verbunden.
  2. Qualitätssicherungsstrategien: Bisherige Qualitätssicherungsstandards kommen vor allem aus dem Bereich der Schul- und Lehrbücher. Damit bedenken sie die zentralen Merkmale von OER nicht und sind auch in der Form nicht übertragbar.
  3. Wandel als Chance: Versionierung und Bearbeitung werden als Qualitätsmerkmal verstanden und müssen in der Qualitätsbeurteilung mitgedacht werden.

Zusammenfassend werden folgende Aspekte zur Qualitätssicherung von OER deutlich:

  • Qualität ist eine (meist subjektive) Bewertung.
  • Lehrende (und der Prozess der Lehre) rücken in den Vordergrund.
  • Nutzung entscheidet über die Qualität.
  • Sichtbarkeit von Bewertung und Nutzbarkeit (Eignung) ist wichtig.
  • Bisherige Verfahren müssen angepasst werden.

Im Fokus: Die Bildungsbereiche

“…zeigt der differenzierte Blick, dass sich die Qualitätssicherungsstrategien der OER-Projekte in den Bildungssektoren in einzelnen Aspekten deutlich von existierenden Qualitätssicherungsstrategien unterscheiden.” (Ist-Analyse, Mapping OER, S. 156)

Es wird deutlich, dass die vier Bildungsbereiche doch sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Ebenen für Qualitätssicherung benötigen. Für die vier untersuchten Bildungsbereiche lässt sich zusammenfassend feststellen, dass im Bereich der beruflichen Bildung vor allem die Rolle der ausbildenden Unternehmen und der Industie- und Handelskammer (IHK) als zentrale Prüfungsstelle von Bedeutung ist. Der Bereich der Weiterbildung zeichnet sich hingegen als ein sehr heterogenes Feld aus, in dem Materialien meist selbst erstellt und veröffentlicht werden. Stellt man den Schul- mit dem Hochschulbereich gegenüber, so wird deutlich, dass der Schulbereich sich derzeit durch nicht- (oder nur teil-)öffentliche Tauschbörsen auszeichnet und die Debatte um die Qualität stark durch die Qualität von Schulbüchern dominiert wird. Der Hochschulbereich zeichnet sich jedoch durch eine starke Autonomie der Hochschulen aus, die sich durch die “Freiheit der Lehre” und bereits etablierte Review-Verfahren im Hinblick auf Veröffentlichungen auszeichnet.

Mapping_OER_Workshop_Qualitätssicherung_2015

In unserem kommenden Blogbeitrag werden wir eine Auswahl der entstandenen Ideen zu den vier Unterthemen (1) Qualitätssicherungsmechanismen, (2) Qualitätskriterien, (3) Informations- und Medienkompetenz und (4) Motivation im Detail vorstellen.

Wir freuen uns über Ihre Ergänzungen, Anregungen und Diskussionsbeiträge!

Alle Bilder des Workshops zum Thema Qualitätssicherung können sie auch auf Wikimedia Commons finden.

Alle Fotos des Workshops: Ben Bernhard, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode

Fußnoten

  1. Ist-Analyse, Mapping OER, S. 154
  2. Richard Heinen, Universität Duisburg/Essen,Mapping OER, 31.08.2015
  3. Klaus Dautel, Lehrer, Mapping OER, 22.09.2015

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