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Qualifizierungsmodelle für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren – Lösungsansätze

In unserem vorangegangenen Beitrag stellten wir Ihnen eine erste Übersicht zum aktuellen Projektstand im Themenschwerpunkt Qualifizierungsmodelle für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor. Nun möchten wir Ihnen die Lösungsansätze vorstellen, die von den Teilnehmenden während unseres zweitägigen Themenworkshops in Berlin erarbeitet wurden.

Insgesamt entwickelten die Teilnehmenden 25 verschiedene Lösungsansätze aus den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, berufliche Bildung und Weiterbildung. Diese wurden von den Teilnehmenden entlang einer Aufwand-Zeit-Matrix bewertet. Daraus möchten Ihnen nun die 5 höchst priorisierten Ansätze vorstellen:

 

 f/OER.de/rPreis

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Die Teilnehmenden aus dem Bildungsbereich Schule entwickelte einen Lösungsansatz, der sich speziell an Lehrkräfte richtet. Dieser soll dazu beitragen, ein breiteres Bewusstsein für OER zu schaffen, die Motivation von Lehrkräften zur Qualifizierung im Bereich OER zu fördern, die Anzahl bereits bestehender Materialien zu erhöhen, weitere Best-Practices zu schaffen und schließlich Qualitätsstandards zu entwickeln. Dazu soll im deutschsprachigen Raum ein Aufruf für einen öffentlichkeitswirksamen OER-Wettbewerb ähnlich des Deutschen Schulpreises initiiert werden. Eine Fachjury wird den Wettbewerb begleiten, um die Qualität ausgezeichneter Materialien zu garantieren. Unterstützungsmaßnahmen in Form von Schulungen und Coachingprogrammen sollen in den Wettbewerb integriert werden. Eingereichte Materialien werden gesichtet und in einer zweiten Runde durch die Begleitung von Coaches verbessert und weiterentwickelt. Die besten Einreichungen werden letztendlich mit einem Preis prämiert und unter freier Lizenz veröffentlicht. Als durchführende Instanzen kommen NGOs und öffentliche/staatliche Institutionen (z. B. Landesinstitute, KMK) sowie Stiftungen für Sponsoring- und Fördermaßnahmen in Frage. Auch eine prominent besetzte Schirmherrschaft wird empfohlen. Den Aufwand für eine mittel- bis langfristige Umsetzung des Vorhabens schätzten die Teilnehmenden als hoch ein.

 

Bundesstiftung Offene Service-, Support- und Clearingstelle für OER

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Dieser Lösungsansatz aus dem Bereich Weiterbildung, speziell non-formale Weiterbildung,  richtet sich an Menschen, die bereits OER erstellen ohne jedoch einen institutionalisierten Kontext (z. B. Hochschule) und konkrete Ansprechpartner zu haben. Die Idee einer Bundesstiftung wurde entwickelt, an die nicht nur Fragen zur Erstellung von OER gerichtet, sondern auch fertige Materialien übergeben werden können. Die Stiftung fungiert somit als Schnittstelle zwischen Qualifizierung und Support: Erstellende bekommen ihre eingereichten Materialien mit Feedback zurück oder übergeben sie zur Veröffentlichung der Stiftung. Letztere Option könnte den Arbeits- und Zeitaufwand von Erstellenden deutlich reduzieren, da die Veröffentlichung (inkl. lizenzrechtlicher Fragestellungen) durch die Stiftung abgewickelt würde. Aufgrund des als sehr hoch eingeschätzten Aufwandes bedarf es einer entsprechenden Finanzierung.

 

 

N(OER)MAL

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Die Teilnehmenden aus dem Bildungsbereich Hochschule erarbeiteten ein Konzept für Hochschullehrende und Studierende in der Lehre. Darin soll OER als Querschnittsthema in bestehende Qualifizierungsmodelle wie bspw. hochschuldidaktische Seminare (als Erweiterung nicht als Extra-Seminar) integriert werden. Dies soll nicht im klassischen Sinne als Fortbildung oder Workshop verstanden werden, sondern als Mentoring oder Coaching über einen längeren Zeitraum. Viele hochschuldidaktische Seminare sind bereits  Pflichtveranstaltungen (z. B. in Bayern) – eine gewisse Verbindlichkeit könnte auf diese Weise garantiert werden. Analog könnte dieses Format auch für bereits bestehende Coaching-Systeme funktionieren, die in einem integrativen Konzept um OER erweitert werden könnten.
Wichtig dabei ist die Kombination aus Workshops/Seminaren und dem Coaching von Einzelpersonen, im Sinne von hochschuldidaktischen Einzelcoachings. Im Sinne des „Train the trainer“- Ansatzes werden praktizierende Anbieter kontaktiert, um gemeinsam mit ihnen Bausteine zu entwickeln, in denen OER als Thema in bereits bestehende Module wie Rechtssicherheit und Didaktik integriert wird. Weiterhin sollten „Konzeptgespräche“ mit Entscheidungstragenden (z. B. Ansprechpartnerinnen und -partner aus Didaktik E-Learning-Zentren) geführt werden, um entsprechende Materialpakete zu konzeptionieren und zu entwickeln.

 

find(O)ER

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Um den initialien Sucheinstieg für OER-Nutzende im Bereich Schule (z. B. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern) zu erleichtern, erarbeiteten die Teilnehmenden die Idee einer zentralen Anlaufstelle (Plattform) für Bildungsmaterialien, dem „find(O)ER – eine einfach zu handhabende und intuitiv aufbereitete landing page mit integrierter Suchmaske,  Nutzerprofilen, Bewertungsmöglichkeiten durch Ranking-Systeme und Empfehlungen. Dazu sollte ein Minimalstandard definiert werden, um alle Materialien in einem zentralen Hub zu bündeln. Für die Bereitstellung der Inhalte sollen in einem zweiten Schritt Content-Partnerinnen und -partner gewonnen werden. In einem Editor können Materialien bearbeitet und vereinheitlicht werden. Der Ansatz könnte mit einem mittelschweren Aufwand mittelfristig umgesetzt werden.

 

Zwangsqualifizierung

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Dieser Vorschlag aus dem Bildungsbereich (non-formale) Weiterbildung richtet sich an alle, die schon Material mit öffentlichen Geldern (z. B. Bundeszentrale für politische Bildern, Bundesstiftungen u. a.) erstellen und somit auch dafür bezahlt werden. Wenn Erstellende in den öffentlichen Stellen identifiziert sind, erhalten diese eine entsprechende Qualifizierung. Der Ansatz verfolgt einen gesellschaftlichen Anspruch nach mehr OER, die, finanziert durch öffentliche Gelder, erstellt werden sowie den politischen Anspruch „öffentlich-finanziert = offen lizenziert“. Diese Rahmenbedingung müsste auf institutioneller Ebene entsprechend implementiert werden. Der Aufwand wurde dementsprechend hoch eingeschätzt.

Was denken Sie? Könnten diese Ansätze zu einer Weiterqualifizierung im Bereich OER führen? Alle erarbeiteten Inhalte und Ergebnisse zu unseren vier Schwerpunktthemen werden in der Synthesephase gebündelt und abschließend im OER-Praxisrahmen zusammengeführt. Wir freuen uns, wenn Sie uns dabei unterstützen und sind dankbar für Ihre Ergänzungen und weiterführenden Gedanken!

An dieser Stelle auch nochmals herzlichen Dank allen Teilnehmenden für die intensive Arbeit an der Vertiefung des Themenschwerpunkts Qualifizierungsmodelle für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Alle Bilder des Workshops zum Thema Qualifizierungsmodelle für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können sie auch auf Wikimedia Commons finden.

Beitragsbilder: Mike Fuchs, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

 

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