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Zwischenstand zum Themenschwerpunkt Geschäftsmodelle

Zu Beginn unseres dritten Schwerpunktthemas Geschäftsmodelle, möchten wir einen Zwischenstand über die bisherige dialogische Erarbeitung dieses Themas aus der Analysephase geben. Dieser Bericht war ebenfalls Teil unseres Workshops zum Thema Geschäftsmodelle, der am 12./13. November 2015 in Berlin stattfand.

Eingeflossen ist hierin der aktuelle Stand aus der Ist-Analyse zu freien Bildungsmaterialien (OER), die Ergebnisse aus dem Analyse-Workshop, welcher im Mai dieses Jahres in Berlin stattfand, die bisherigen Fachbeiträge zum Thema Geschäftsmodelle, die auf unserer Projektwebseite veröffentlicht wurden, sowie ergänzende Publikationen zum Thema, wie sie z. B. im Rahmen der Whitepaper für Schule, Hochschule und Weiterbildung und des “Berichts der Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Länder und des Bundes zu Open Educational Resources (OER)” genannt werden.

Sowohl innerhalb der Analysephase als auch der inhaltlichen Arbeit wird immer deutlicher, dass die Definitionen der Begriffe “Geschäftsmodelle” und “Finanzierungsmodelle” zu unterschiedlichen Erwartungshaltungen führen. Dies wird auch aufgrund der immer wieder aufflammenden Debatte um eine staatliche Förderung von OER und die Frage nach “Top-down vs. Bottom-Up” deutlich. Näheres dazu wird in unserem nächsten Beitrag deutlich werden, der sich mit den konkreten Ergebnissen des Workshops befassen wird.

“OER allein sind hinsichtlich der meisten Herausforderungen nicht das Allheilmittel, sondern Teil eines komplexen Wandels der Gesellschaft.”1

Um sich dem Thema zu nähern, sind drei Aspekte zentral:

1. Es ist wichtig, nachhaltige Strukturen zu schaffen. Besonders für das Thema OER ist die Frage wichtig, wie man bestehende und gewachsene Strukturenfördern und zugleich neue aufbauen kann, ohne dass diese miteinander konkurrieren.

2. Die Digitalisierung muss als zentrales Element mitbedacht werden in der Diskussion um OER. Denn OER ist ein Baustein in der Debatte um eine Veränderung des Lernens im digitalen Zeitalter.

3. Neue und bestehende Finanzierungswege müssen sichtbar gemacht werden. Eine Veränderung der Finanzierung von Bildungsressourcen wird gleichzeitig auch weitreichende Veränderungen mit sich bringen. Diese gilt es zu erkennen und zu adressieren.

Im Fokus: Die Bildungsbereiche

Im weiteren Verlauf werden Besonderheiten zu den vier Bildungsbereichen zusammengefasst. Als Ergänzung dazu dient die folgende Übersicht aus der Ist-Analyse zur Finanzierung von OER-Projekten S.168:

Es wird hier bereits sichtbar, dass bislang ein Großteil der Arbeit zur Erstellung von freien Inhalten ehrenamtlich geschieht. Dies wird besonders im Bereich Schule deutlich.

“Während die Debatte um kostenlose und frei lizenzierte Bildungsmaterialien in anderen Bildungsbereichen relativ differenziert erfolgt, wird im Schulbereich der Begriff OER häufig für alle Materialien verwendet, die kostenlos im Internet zu finden sind.”2

Im Bereich Schule dreht sich bei Finanzierung und Inhalten alles um den herrschenden Föderalismus und die damit verbundenen Herausforderungen in puncto Lehrmittelvergabe und curricularer Anbindung. Das, was gegenüber der Zentralität als Mehrwert besteht, nämlich die Länderhoheit, ist bezogen auf die Finanzierung und eine Vereinheitlichung der Strukturen eine Herausforderung. Dies manifestiert sich besonders in der Diskussion um das Schulbuch, welches in Deutschland die Debatte um Finanzierungsmodelle dominiert. Leider wird im Bereich Schule nur wenig zwischen Schulbüchern und sonstigen Bildungsressourcen differenziert, obwohl in der OER-Debatte Einigkeit darüber zu herrschen scheint, dass gerade in letzterem das größte Potential von OER liegen kann. Innerhalb der Diskussion um das Schulbuch ist in diesem Bereich der Gedanke der Kostenersparnis durch OER am häufigsten, was sich bei genauerem Hinsehen als Trugschluss erweist. Es handelt sich in diesem Kontext eher um eine Umverteilung oder Umwidmung von Geldern.

Im Bildungsbereich Hochschule zeigen sich folgende Besonderheiten: Als zentrales Element ist hier zusammen mit der bestehenden Autonomität der Hochschulen wiederholt die “Freiheit der Lehre” zu nennen. Daraus ergibt sich, bezogen auf die Finanzierung von OER, eine Konkurrenzsituation, die so im Bereich Schule nicht existiert. OER kann hier als Marketingstrategie einer Hochschule durchaus attraktiv sein. Durch die bereits länger bestehende Debatte um Open Acess und Peer-Review-Verfahren in der Wissenschaft sind in diesem Bereich zwei wichtige Aspekte von OER bereits in kleinen Teilen vorhanden. An diese sollte angeknüpft  werden und gewonnene Erkenntnisse (im Sinne von Lessons Learned) sollten in die Etablierung von OER einbezogen werden. Deutlich wird hier besonders die fehlende Beratungsstruktur und fehlende Repositorien, die auf Ebene der Lehrenden innerhalb ihrer Disziplinen einen deutlichen Mehrwert bringen könnten.

Um über Geschäftsmodelle in der beruflichen Bildung sprechen zu können, ist zu klären, inwieweit hier freie Bildungsressourcen eine Rolle spielen und wie die Erstellung und Nutzung dieser an die vorhandene Medienkompetenz der Lehrkräfte gekoppelt ist. Deutlich wird, dass zentrale Akteure wie die IHK hierzu Näheres an Informationen geben können. Ein weiteres Merkmal liegt in der Trennung zwischen betrieblicher und schulischer Ausbildung. Hier könnten OER eventuell als verbindendes Element zum Tragen kommen.

“Derzeit gibt es nur sehr wenige OER und OER-Unternehmungen im beruflichen Feld. Wie dargestellt, kann dies (auch) darin begründet liegen, so ein Berufsschullehrer im Interview, dass eigens erstellte Bildungsressourcen im engeren Sinne insgesamt aus unterschiedlichen Gründen eine kleinere Rolle in der Berufsausbildung spielen.”3

Die Weiterbildung zeigt sich, bezogen auf Geschäftsmodelle, als ein äußerst attraktives Feld. Zum einen ist es sehr breit aufgestellt durch die Teilbereiche berufliche Weiterbildung, allgemeine Weiterbildung und selbstorganisiertes Lernen. Zum anderen zeigt sich durch die Heterogenität der Anbieter wieder eine größere Konkurrenzsituation. Dies bietet Chancen zur Etablierung von ganz neuen Geschäftsmodellen. Zudem gehen aus diesem Bereich starke Impulse und damit eine breite Strahlkraft in Richtung anderer Bildungsbereiche aus. Offen bleibt die Rolle der MOOCs im Hinblick auf OER als viel genanntes Beispiel.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Bereich der Hochschule und der allgemeinen Weiterbildung als Bereiche mit dem stärksten Potential in diesem Themenfeld betrachtet werden können. Es ist wichtig, die Bedarfe der Bildungsbereiche im Hinblick auf Geschäftsmodelle mitzudenken und Anknüpfungsmöglichkeiten für bereits bestehende Initiativen zu schaffen.

„Denn erst wenn neue oder reformierte Finanzierungsmodelle für Erstellung von Lernunterlagen es erfahrenen AutorInnen ermöglichen, ihre Kompetenz in Entwicklung von OER einzubringen, ist eine nachhaltige Verbesserung des Angebots an frei digital zugänglichen Lernunterlagen zu erwarten.“4

 

Fußnoten

  1. Ist-Analyse Mapping OER, S.68
  2. Ist-Analyse Mapping OER S.39
  3. Ist-Analyse Mappig OER, S.120
  4. Leonhard Dobusch, Mapping OER 11.11.2015

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